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Bericht zur Mitgliederversammlung 2019

Mitgliederversammlung 2019

Am 12.02.2019 führten wir unsere Mitgliederversammlung im Mitgliedsbetrieb Hof Wiedemann in Vechelde-Bettmar durch. Der Vorsitzende Eberhardt Prunzel-Ulrich stellte den Geschäftsbericht vor und erläuterte die Aktivitäten der VND. Die Projektmitarbeiterinnen Nicole Rollwage und Christina Pleus berichteten über ihre Tätigkeiten im Rahmen des Projekts „Vernetzung und Ausweitung der Direktvermarktung mit dem Schwerpunkt auf Produkten, die mit heimischen Futter erzeugt wurden“. An Hand einer Power Point-Präsentation legten sie ihre Arbeit dar: Messeauftritte bei den landwirtschaftlichen Ausstellungen in Tarmstedt und Wüsting bzw. den Verbrauchermessen „HanseLife“ in Bremen und „infa regional“ in Hannover; fachliche und organisatorische Unterstützung mobiler Käsereien in Niedersachsen, der Marktschwärmerei in Hannover-Ahlem und der Landmarkt-Theke der Gärtnerei Dörries in Bad Gandersheim; Organisation von Veranstaltungen, insbesondere für die am EFN-Projekt beteiligten Betriebe und die Teilnahme an verschiedenen Veranstaltungen des Bundesverbandes der Regionalbewegung zur Logistik und zu Onlineplattformen.

Im Rahmen der Vorstandswahlen wurden der stellvertretende Vorsitzende Joachim Banse und der Beisitzer Henrik Backhaus in ihren Ämtern bestätigt. Christina Pleus wurde zur zweiten Regionalsprecherin für den Bereich Weser-Ems gewählt.

Einen Antrag zur Tagesordnung mit der Frage zur Bonpflicht ab 2020 wurde eingereicht. Die Anwesenden beschlossen einstimmig, den Antrag anzunehmen und das Thema aufzuarbeiten.

 

 

Im Informationsteil der Mitgliederversammlung gab es Sachstandsberichte und Zukunftsaussichten der durch die VND initiierten Vermarktungswege:

 

Marktschwärmerei in Hannover-Ahlem

Frau Friedlinde Volker als Gastgeberin der Marktschwärmerin in Hannover-Ahlem stellte die am 05.04.2018 eröffnete Marktschwärmerei mit derzeit 24 Beschickern vor. Laut Statistik der Marktschwärmerei-Organisation ist die Ahlemer bundesweit die Umsatzstärkste. Als Marketingmaßnahmen erfolgten Anzeigen in Zeitungen und Facebook-Einträge. Die Verteilung von Flyern hatte wenig Erfolg. Der durchschnittliche Bestellwert beträgt ca. 40 €/ Kunde und ca. 70 Bestellungen gehen pro Markttag ein. Auf dem MitMachHof bzw. dem Kartoffelhof Hennies in Uetzte-Schwüblingsen wurde eine zusätzliche Abholstation eingerichtet. Außerdem plant Frau Volker Fahrgemeinschaften, um die Produkte kostengünstiger anzuliefern. Frau Magdalena Zimmermann, Projektmitarbeiterin bei Hi-Land, berichtete, dass bei der Hildesheimer Marktschwärmerei die Verteilung immer ohne die Landwirte/ Landwirtinnen erfolgt, und der gesamte Verkaufswert zwischen 100 – 400 €/Markttag liegt. Viele aus dem Erzeugerkreis scheuen sich, ihre Produkte ins Netz zu stellen, nannte Frau Volker eine Hürde. Sie arbeitet ca. 10 Std. / Woche für die Marktschwärmerei.

 

Leinetaler Landkäse GmbH (mobile Käserei)

Herr Arne Traupe, Gesellschafter und einer der beiden Geschäftsführer der Leinetaler Landkäse GmbH, informierte über die Entstehung der mobilen Käserei bis zur Gründung der GmbH 2017 mit 7 Gesellschaftern. Im Dezember 2017 erfolgte der Kauf der mobilen Käserei, die mit einem 800 l-Kessel, Käsepressen und Arbeitstischen ausgestattet ist. Im Frühjahr 2018 wies der Vorbesitzer Achim Uhl die Gesellschafter in das Käsen ein, und jeder beteiligte Betrieb verarbeitete zunächst ca. 400 l Milch. Hierbei wurde geprüft, wie sich der Reifeprozess des Käses verhält, da die Betriebe u. a. Silage verfüttern, die evtl. zu Spätblähungen beim Käse während des Reifeprozesses führt. Die Gesellschaft hat in Lütgenrode, Landkreis Northeim, eine ehemalige Schlachterei gemietet, deren Räume sie als Käsereife- bzw. –lagerraum nutzen. Hier sind einige Umbaumaßnahmen vorzunehmen und die EU-Zulassung zu beantragen. Ein Wechsel zur stationären Käseherstellung in den Lütgenroder Räumen wird überlegt. Der Anhänger soll dann ggf. die Milch aus den Betrieben nach Lütgenrode transportieren. Als Käser konnte ein Schweizer gewonnen werden, der früher auf der Alp sein Handwerk ausübte. Die Absatzmöglichkeiten werden positiv gesehen und Grenzen bei der Produktion befürchtet.

 

Landmarkt-Theke in Bad Gandersheim

Herr Arne Dörries beschreibt die Entstehung der Landmarkt-Theke in seiner Gärtnerei. Er erläutert den zeitlichen Ablauf, die Platzierung als „Shop in Shop“ in der Gärtnerei bis hin zur Organisation des Eröffnungstages. Insgesamt liefern 14 Betriebe ihre regionalen Produkte aus eigener Erzeugung an die Landmarkt-Theke. Die Gärtnerei Dörries kauft die Waren den Erzeugern ab und gibt sie auf eigenes Risiko an die Kunden weiter. Zusätzlich werden in der Gärtnerei aus diesem Sortiment Präsente und Geschenkkörbe angefertigt, die bei den Kunden sehr beliebt sind. Daneben werden Veranstaltungen angeboten, wie z. B. ein weihnachtlicher Markttag oder „Käse und Wein im Grünen“. Herr Dörries zieht ein positives Fazit.

 

VND-Onlineshop auf dem Brunkshof

Herr Karsten Indorf hat für uns einen Onlineshop eingerichtet. Im Frühjahr 2018 begann er mit den Planungen und rief die VND-Mitglieder per Mail dazu auf, sich mit ihren Produkten zu beteiligen. Die Resonanz war niederschmetternd, da sich zunächst nur ein Betrieb meldete. Erst eine direkte Ansprache brachte den Erfolg. Die erforderlichen Investitionen in neue Dichtungen an einem vorhandenen Kühlraum und einer Gefriertruhe sowie ca. 150 Klappkisten blieben im Rahmen. Nach Rücksprachen mit der zuständigen Lebensmittelüberwachung, einer Hygieneschulung und der Einhaltung gesetzlicher Vorschriften, wie z. B. die Lebensmittelkennzeichnung und die Datenschutzgrundverordnung, ging der Onlineshop am 01. Dezember 2018 an den Start, begleitet von verschiedenen Aktionen. Die Anzahl der Seitenaufrufe und die Bestellungen stimmen Herrn Indorf für die Zukunft positiv. Bis Sonntagabend, 20.00 Uhr, müssen die Kunden ihre Bestellungen abgegeben haben, die sie freitags am Nachmittag abholen. Parallel dazu bietet Herr Indorf seinen Kunden, meist junge Familien mit kleinen Kindern, Aktionen an, wie z. B. ein Besuch bei den Kühen/ Kälbern bzw. Treckern oder das Melken mit dem Roboter zu erleben. Weitere Informationen finden wir unter www.brunkshof.de oder über www.norddeutsche-direktvermarkter.de.

 

Impulsreferat: Braucht Niedersachsen eine Regional- bzw. Direktvermarktungs-strategie?

Zu diesem Thema sprach Herr Prof. Dr. Ludwig Theuvsen, Abteilungsleiter im Niedersächsischen Landwirtschaftsministerium für Landwirtschaft, Agrarpolitik und Nachhaltigkeit (ML). „Strategie ist der langfristige Plan, um etwas zu erreichen“ so die einleitenden Worte des Referenten. Dabei stelle sich die Frage, wo die Regional- und Direktvermarktung aktuell stehen. Über dieses Wissen verfügen nach Einschätzung des Vortragenden eher die praktizierenden Landwirte. Sie stehen im Mittelpunkt und überlegen, wie diese Umsetzung erfolgen kann. Die Politik weiß wenig, da es kaum Datenmaterial gibt, sie aber die Rahmenbedingungen schafft, ggf. finanzielle Mittel zur Verfügung stellt und „Steine“ aus dem Weg räumt, so Prof. Theuvsens Aussage.

Er versichert, das ML beobachte die Aktivitäten der Regional- und Direktvermarktung, die sich für zahlreiche Betriebe zu einem wesentlichen Standbein entwickelt hat. Der Trend der letzten Jahre sei die Zusammenarbeit mit Partnern im Lebensmitteleinzelhandel (LEH), der Gastronomie, u. ä. Diese Premiumprodukte seien deutlich teurer, aber wenn die VerbraucherInnen von diesem Sortiment überzeugt sind, ist ihnen der Preis beinahe egal. Laut Herrn Prof. Theuvsen ist die „Geiz ist geil-Mentalität“ vorbei. Vorteilhaft seien die vielseitigen Entwicklungsmöglichkeiten in der Direktvermarktung und die daraus entstehende Professionalisierung. Die Nähe zum Tourismus, zur Gastronomie und zum lokalen Ernährungshandwerk sind dafür wichtige Voraussetzungen. Ein wesentliches Kriterium ist jedoch eine saubere Kennzeichnung, denn „Orangensaft aus Schleswig-Holstein“ ist kein regionales Produkt. Hier habe die Bundesregierung das Label des Regionalfensters als Möglichkeit zur Kennzeichnung eingeführt.

Einer Studie der niedersächsischen Marketinggesellschaft (MG) zu Folge gibt es vielfältige Vermarktungswege. Der am häufigsten Genutzte mit ca. 60% ist der Hofladen. Bei 35% liegen der LEH und die Gastronomie bzw. eine Vermarktung ohne Hofladen. Nach Aussage des Referenten erzielen Direktvermarkter die höchsten Umsätze mit 27% im Hofladen, 13% im LEH und 12% beim ab Hof-Verkauf ohne Hofladen. Auffällig ist die steigende Bedeutung der Vermarktung über den LEH, der zwischen 2008 – 2018 von 7% auf 13% gestiegen ist. Somit haben sich Verschiebungen für die Vermarktungswege ergeben, ohne die klassischen Absatzmöglichkeiten aufzugeben. Aber der allgemeine Strukturwandel stellt eine große Herausforderung dar, weil örtliche Handwerksbetriebe für die Verarbeitung fehlen.

Herr Prof. Theuvsen ist der Ansicht, das Management für die Direkt- und Regionalvermarktung ist ein ständiger Lern- und Entwicklungsprozess für alle Beteiligten. Er sieht den Standort als eine wesentliche Erfolgsgröße an und nennt als Beispiel den Hofladen in Hamburg. Der LEH ist ein unmittelbarer Konkurrent für die direktvermarktenden Betriebe, da er von dem Trend der Regionalität profitiert. Andererseits erreicht er hohe Kundenfrequenzen, die Direktvermarkter nutzen.

Die Entwicklungsmöglichkeiten schätzt der Referent optimistisch ein. Regionalität habe bei den Verbrauchern eine hohe Gunst, und ihre Begeisterung speist sich aus verschiedenen Quellen:

·      Verunsicherung durch die industrielle Lebensmittelverarbeitung

·      dem Wunsch, dass Produkte ein Gesicht besitzen

·      kurze Transportwege

·      Stärkung der regionalen Wirtschaft(skraft).

Herr Prof. Theuvsen weist darauf hin, dass die VertreterInnen der VND regelmäßig zu Gesprächen im ML sind. Er bittet darum, diese Möglichkeiten stets zu nutzen, damit die Politik erfährt, wo den Praktikern „der Schuh drückt“ und ggf. auch mit nachgelagerten Dienststellen Veränderungen zu bewirken.

Auf die Frage, ob wir eine Strategie brauchen, antwortet der Vortragende zum Ende seiner Ausführungen, dass es bereits eine gibt, und das ML habe die Chancen und Herausforderungen im Blick. Es verwaltet Programme, die eine Direktvermarktung unterstützen, aber ist bereit, jederzeit Anregungen aufzunehmen.

 

In der anschließenden Diskussion wird darauf hingewiesen, dass die Fördermöglichkeiten für den gewerblichen Teil der landwirtschaftlichen Direktvermarktung nicht passen und sie im Zuständigkeitsbereich des das niedersächsische Wirtschaftsministeriums (MW) liegen. Herr Prof. Theuvsen stuft die Zusammenarbeit zwischen ML und MW insbesondere für die direktvermarktenden Betriebe als sehr wichtig ein, befürchtet aber, dass dafür zahlreiche Gespräche notwendig sind. Die Anwesenden bitten, den Wert der Lebensmittel stärker zu kommunizieren und warnen vor dem voranschreitenden Verlust der Ernährungskenntnisse. Die Gründung des ZEHN (Zentrum für Ernährung und Hauswirtschaft) wird begrüßt. Es befinde sich in der Umsetzungsphase und liege im Zuständigkeitsbereich der Abteilung 2 im ML. Zusätzlich wird auf die Gründung eines Ernährungsrates in Hannover hingewiesen.

Für die regionale Verarbeitung fehlen die Handwerksbetriebe, die wegen der hohen gesetzlichen Auflagen oder des Nachwuchsmangels nicht fortgeführt werden. Vor einigen Jahren gab es ausschließlich große Firmen, aber inzwischen sind zahlreiche Manufakturen entstanden und behaupten sich, so der Referent. Er stellt heraus, dass direktvermarktende Betriebe einen wesentlichen Beitrag leisten können, damit es zu einem „zurück zu den handwerklichen Wurzeln“ kommt. Ein Direktvermarkter beklagt den hohen Verwaltungsaufwand, der neben der Produktion in den Betrieben zu leisten ist, und fühlt sich von diesen Vorgaben drangsaliert. Herr Prof. Theuvsen stimmt zu, dass die lebensmittelrechtlichen Auflagen deutlich angezogen sind, was aus den Lebensmittelkrisen und dem damit verbundenen öffentlichen Druck zu tun hat. Die Intervalle der zahlreichen Kontrollen werden hinterfragt. Herr Prunzel-Ulrich beschreibt die verschiedenen Entwicklungen: Die Direktvermarktung sei ein kleines Marktsegment, was VerbraucherInnen fordern und bereit sind, einen höheren Preis zu bezahlen. Somit unterstützen sie den Erhalt der wirtschaftlichen Strukturen im ländlichen Raum. Je größer jedoch die Strukturen werden, desto größer werden die Lücken, in die Direktvermarkter einsteigen müssen. Herr Prunzel-Ulrich vertritt die Auffassung, dass ein integriertes Denken fehlt. Dies beginnt bereits bei der Verteilung der öffentlichen Gelder in der ersten und zweiten Säule der EU-Förderung. Leider tragen die Fördermaßnahmen aus dem MW häufig zur Wettbewerbsverzerrung bei, da sie meistens zu Ungunsten der kleinen Betriebsstrukturen erfolgen, die politisch gewollt sind und erhalten werden. Die Landwirte orientieren sich um, denn sie wollen ihre Erzeugnisse nicht nur abliefern, sondern von deren Wertschöpfung profitieren. Dies ist für viele jedoch „Neuland“, und es gehen mindestens zwei Jahre ins Land, ehe die Betriebe sich auf die anderen Situationen eingestellt haben, weil die Strukturen fehlen. Deshalb muss eine zentrale Aufgabe sein, diese wieder zu schaffen.

20.02.2019
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